Helena warf nur ungern etwas weg. Das war nicht nachhaltig. Außer Kleidungsstücken wurde so ziemlich alles weitergereicht, was noch funktionierte, fast in einem Stück war und noch von jemandem auf diesem Planeten verwendet werden konnte. Ihre Kleidung gehörte nicht dazu, so pflegte sie zu sagen, weil die garantiert niemand mehr haben wollte, wenn sie damit fertig war. „Fehlkäufe? Hab ich nicht. Da mache ich dann was anderes draus.“
So wurden dann allenfalls doppelt vorhandene Bücher ausgesetzt, Elektrogeräte und Möbel verschenkt, getauscht oder gespendet.

Meist über Ecken an Menschen, die sie nicht kannte und zu denen sie auch keinen Kontakt haben würde, denn diese edle Spenderinnen-Nummer war einfach nicht ihr Ding. Zu oft war sie selbst schon in der Rolle derer gewesen, die auf Hilfe oder Spenden angewiesen waren. Gönner und Gönnerinnen? Einfach ekelhaft. Die Würde der Menschen ist da ziemlich antastbar, das wusste sie nur zu genau. Darum verlieh sie auch lieber dauerhaft, als etwas zu schenken, wenn doch einmal der persönliche Kontakt zu einer bedachten Person nicht vermeidbar war. Und sein wir mal ehrlich, soviel hatte sie ja auch selbst nicht. Nicht vieles in ihrer Wohnung war wirklich verzichtbar, an manchem hing sie dann auch doch irgendwie.

Aber es gab Dinge, die sollten einfach nicht mehr sein. Sie sollten nicht hier sein, aber auch nirgendwo anders in irgendeiner Ecke auf sie lauern. Nie wieder wollte sie ihnen begegnen, auch wenn sie eigentlich ja noch „gut“ waren. Diese Dinge kennst du auch. Es sind die Dinge, die an dir hängen.

Also machte Helena einfach mal mit bei diesem hippen Kondomari oder wie das hieß. Minimalismus ist wirklich eine gute Rechtfertigung, einmal so richtig „Klar Schiff“ zu machen, vor allem, wenn man den entsorgten Tand nicht gleich wieder durch neuen ersetzen wollte. So sehr wollte sie dem Trend dann eben nicht mehr folgen.

Heute war ein guter Tag dafür.

„Willst du dich von etwas trennen, musst du es verbrennen!“ rezitierte Helena leise und warf die Reste des Sessels, den sie zuvor mit bloßen Händen zerrissen, zerschlagen und auf andere Arten zerstört, ja vernichtet hatte, damit nur ja auch keiner der Müllwerker auf die Idee käme, ihn zu bunkern, über die Klippe des stählern ausgekleideten Schlundes der örtlichen Müllverbrennungsanlage.

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